eigentlich nicht wirklich meine wurzeln, sondern eher die meines vaters, haben meine schwester, mein bruder und ich gemeinsam mit dem heiligen vater vor zwei wochen erkundet. wir drei hatten ihm diese tour im vergangenen jahr zu seinem 70. geburtstag geschenkt: eine woche gemeinsam mit seinen kindern in einem wohnmobil durch deutschland, auf den spuren seines lebens. in der woche nach pfingsten ging es also von berlin aus über jüterbog nach rehfeld. in jüterbog hatte der großvater meines vaters vor etwa 100 jahren ein haus gebaut.
in rehfeld, einem kleinen verschlafenen dorf südlich von berlin wartete gleich zu beginn der reise ein absolutes highlight auf uns: klausi. klausi wurde 1945 (!!) zusammen mit meinem vater in die dorfschule rehfeld eingeschult – in der meine großmutter lehrerin war. noch heute lebt er auf einem hof in rehfeld, und hat uns dort nicht nur herzlich willkommen geheißen, sondern auch noch zwei weitere ehemalige mitschüler der klasse von 1945 herangetrommelt. gemeinsam haben wir auch noch das alte schulhaus besucht. das kleine häuschen steht heute leer, eine schule ist dort seit jahrzenten nicht mehr. dennoch haben wir zufällig auf dem dachboden in einer kiste alte klassenbücher aus dem jahr 1949 gefunden – was für ein zufall! meine großmutter war dort bis sommer (?) 1949 lehrerin, bis sie nach halle/saale gezogen ist. leider waren aber diese klassenbücher bereits vom nachfolger, das wäre ja nun noch der knaller geworden, plötzlich etwas von meiner großmutter zu finden!
mein persönliches highlight war aber die fahrt mit dem 1959er deutz traktor mit einem heuwender hinten dran. kein wunder: alle menschen mögen traktoren!
weiter ging es über torgau nach bitterfeld, wo mein vater vor fast 71 jahren geboren wurde. das haus haben wir natürlich auch gefunden, auch wenn sich der straßenname entsprechend der jeweilig gültigen politischen realitäten vier mal geändert hat. bitterfeld – oder besser die umgebung – hat wohl auch viel von seinem schrecken verloren. aus der mondlandschaft sind viele kleine seen geworden, in denen man auch ganz fein baden kann. in ferropolis, der stadt aus stahl, kann man sich die urgetüme der tagebaue noch ansehen und sogar besteigen. wie dinosaurier stehen mehrere der riesigen bagger an einem gefluteten tagebau.
die letzte etappe führte uns wieder in die nähe berlins nach ketzin. auch alex und katja konnten sich an diesen ort erinnern – katja ist dort eingeschult worden. schließlich sind wir nach fünf tagen alle mann wieder gesund und fröhlich in berlin gelandet. nachdem wir am montag verabschiedet wurden, aös wären wir auf einem trip zum nordkap wartete keine parade mit winkenden kindern und rentnern auf uns. insgesamt eine sehr schöne kleine reise in die vergangenheit. und vertragen haben wir uns natürlich auch sehr gut – auch wenn sich das einige nicht ganz vorstellen können
am vergangenen wochenende hat es lars und mich nach manchester verschlagen. wieso wir gerade dort gelandet sind, lässt sich eigentlich ganz einfach beantworten: easy jet fliegt dort hin und bietet attraktive preise und flugzeiten. und so haben wir irgendwann anfang des jahres beschlossen, nach manchester zu fliegen und ein wochenende in der wiege des kapitalismus und der englischen industrialisierung zu verbringen.
viel zu sehen gibt es aber eigentlich nicht. manchester ist eine nette mittelgroße stadt, nicht besonders hübsch, aber auch nicht absurd hässlich. es gibt eine überschaubare innenstadt, in der man gut shoppen kann und unglaublich viele bahnlinien und brücken, die sich um diese innenstadt schlängeln – jedenfalls erschien mir das so. vom großen industriellen erbe der stadt ist zumindest im stadtzentrum nicht mehr viel zu spüren. im museum of science und industry wird diese jedoch wachgehalten. auf dem gelände befinden sich neben einer großen zahl alter textilmaschinen, lokomotiven und bahnwaggongs auch die gebäude des ersten personenbahnhofes der welt. schon 1830 fuhr hier der erste zug von manchester nach liverpool. amüsant an dem museum und der ausstellung fand ich jedoch, dass die ausstellung den eindruck erweckt, eigentlich sei alles in manchester erfunden worden – inklusive der ersten computeranlage.
mindestens genauso interessant wie das industriemuseum ist jedoch die gegen um die canal street bei nacht. ich wusste vorher nicht, dass manchester eine sehr große und lebendige schwulen- und lesbenszene hat, die sich um die canal street versammelt. nachts öffnen dort alle clubs und kneipen ihre türen und dann wird’s richtig bunt. richtig stark fanden wir, dass sehr viele der feierwütigen engländer abends kreativ verkleidet haben. im laufe des abends sind uns polizistinnen, neandertalerinnen, mario, luigi, kermit und viele andere über den weg gelaufen. wir haben leider nicht herausgefunden, ob das jungesellinnen abschiede waren, oder es in england einfach nur so üblich ist, sich zu verkleiden.
es ist schon ein paar tage her, genauer gesagt zwei wochen, da ist etwas wunderbares passiert. als ich am montag abend in hamburg in mein hotelzimmer kam, stand endlich auch auf meinem tisch eine der berühmten etageren mit obst und schokolade. schon viel hatte ich davon gehört, immer wieder geisterten berichte über die wunderbaren etageren durch das projektteam. vollkommen ungeklärt sind die bedingungen, unter denen man sie erhält. eines scheint klar: am punktestatus der zum hotel gehörenden punktesamelkarte liegt es wohl nicht, denn gold-member war ich vorher auch schon.
na sei’s drum: der soziale aufstieg ist nun bei mir angekommen, the sky is the limit, sag’ ich mal. schade nur, dass das projekt dort nun schon für mich vorbei ist, so konnte ich mich nur zwei wochen in meinem luxus suhlen. mittlerweile bin ich wieder in der harten realität angekommen – ohne geschälte obststückchen im wohnzimmer. das leben ist hart, aber das kurze gefühl, ein mal in der upper class angekommen zu sein, werde ich nicht mehr vergessen.