ich kann kaum wirklich glauben, was ich da seit gestern in den nachrichten sehe und lese. da regt sich die gesamte bundesdeutsche presselandschaft über die private – oder teilprivate – nutzung des dienstwagens von frau schmidt auf. und niemand wird müde zu betonen, dass es sich dabei keinesfalls um unrechtmäßige nutzung gehandelt hat. nein, rechtlich kann man der ministerin nichts vorwerfen, aber moralisch. ethisch. menschlich. und auf’s menschliche kommt’s an. schon kunjunktivieren einige den rücktritt – eigentlich würden sie den fordern, sie müsste zurücktreten, aber die amtszeit geht ja eh zuende, das lohnt nicht.
also so etwas albernes wie diese sommerlochdiskussion habe ich lange nicht mehr gelesen. da macht jemand alles richtig und doch anscheinend alles falsch. es gibt zigtausende menschen mit dienstwagen in deutschland, von denen sehr viele das privileg selbstverständlich auch nutzen, den wagen privat durch europa zu kutschieren. und niemand regt sich auf. ob es denn ökonomisch oder gar ökologisch vertretbar sei, mit dem wagen nach spanien zu düsen – oder ihn hinterher fahren zu lassen. wahrscheinlich ist es weder das eine noch das andere wirklich. aber wie öko***isch sinnvoll ist es, eine tonnenschwere limousine mit höchstgeschwindigkeit über deutsche autobahnen zu peitschen? die frage stellt sich doch sonst auch niemand der nun plötzlich anklagenden cducsufdplinkengrünen!
diese verlogenheit, aus dieser panne auf teufel komm raus einen politischen vorteil zu gewinnen, finde ich einfach nur traurig. gern würde ich mal einen blick in all die fahrtenbücher der lieben kabinettsmitglieder werfen…
und ehrlich: das wahre drama wird völlig außer acht gelassen: wie zum teufel kann es sein, dass in das hotelzimmer des chauffeurs eingebrochen wird, um dem die schlüssel des wagens zu stehlen? wie krass ist das denn bitte?
wenn also diese panne das wichtigste thema der woche ist, muss die konjunkturlage weit besser sein, als alle befürchten.
musik: kaiser chiefs | i predict a riot