vor einigen tagen hat mich eine gute freundin gefragt: “welche Leute triffst du auf der Strasse – wer wohnt eigentlich bei dir mit im Haus? schon Kontakte geknüpft?” und voreilig habe ich ihr geantwortet, dass ich ja nur drei nachbarn habe – einen englischen soldaten, der bald in den irak geht und mir zu weihnachten literweise wodka schenkt, einen griechen, bei dem ich mir einbilde, er hätte verbindungen zum nahegelegenen zeus-grill und die krautstrungs, die nett sind, aber einen komischen namen haben.
auf der straße treffe ich niemanden. dachte ich.

die welt war in ordnung, so wie sie eben war. bis vor vier tagen: erst erwischte ich “meinen engländer”, wie er, als ich die treppe nach einer beschwerlichen und kalten fahrradfahrt von der arbeit nach oben schlich, nur mit einem handtuch bekleidet an mir vorbeihuschte – in der einen hand das handtuch festhaltend, in der anderen einen müllbeutel. ich frage mich wirklich, wieso er a) im handtuch und ansonsten nackt den müll runterbringt und b) was sich zeitkritisches in der tüte befand, das keinen aufschub erlaubte. nunja – inselaffen.

ich habe mich damit abgefunden, eine art exhibitionisten als nachbarn zu haben – das erste mal, als ich bei ihm klingelte um mich als der neue nette nachbar vorzustellen, war’s ja quasi meine schuld: ich erwischte ihn wohl unter der dusche, doch er ließ sich nicht davon abhalten, trotzdem die tür zu öffnen und mich mit handschlag [die andere hielt - du ahnst es: das handtuch] zu begrüßen. doch diese zweite handtuchattacke rüttelt miich wach: wer/was wohnt da neben mir?
es gibt mehrere theorien:
1. der typ duscht sehr, sehr oft
2. phil [so sein name] ist allergisch auf bekleidung
3. es ist alles zufall.
42. er ist ein außerirdischer aus einer fernen galaxie, irgendwo bei bethelgeuze und wartet darauf, dass die vogonen unseren planeten für einen intergalaktischen highway plattmachen, damit er wieder durch die galaxis reisen kann und er will einfach immer nur wissen, wo sein handtuch ist.

ich gebe zu, dass die dritte möglichkeit ziemlich weit hergeholt ist. ich werde “phil” jedenfalls weiter streng beobachten…

ich habe allerdings am sonnabend noch eine andere absonderlichkeit erlebt, die sich auf die eingang erwähnte frage bezieht: beim weg in die kaufhalle [für die wessis:kaufhalle = supermarkt - ihr müsst zugeben, das wort kaufhalle ist wertungsfrei und damit im sinne objektiver berichterstattung vorzuziehen] lief die ganze zeit vor mir ein junger mann _mit kurzen hosen_ im ernst: ich habe mich angestrengt, auf dem kurzen stück über die straße nicht an der verkehrsinsel festzufrieren und da geht jemand einfach so mit kurzen hosen und einem kapuzenpulli durch die landschaft … manman, dinge gibt’s …

ich hoffe, dass sich jeder nun ein bild von meiner nachbarschaft machen kann … und ich gelobe, keine vorschnellen, langeweile vorgaukelnden urteile mehr zu bilden ;)


musik: nightmares on wax - interlude
stimmung: geschafft
wetter: wieder etwas milder und freundlich